Wie können Ältere, die oft nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs sind, ihre Bankgeschäfte erledigen? Vor allem, wenn immer mehr Bankfilialen schließen und der Weg von der Wohnung zur nächsten noch geöffneten Filiale dadurch weiter wird? Wie erkennt man eine Long-Covid Erkrankung und welche Folgen hat diese? Mit solchen ganz unterschiedlichen Fragen befasste sich der Stadtseniorenrat in seiner diesjährigen Mitgliederversammlung.

Wie Seniorinnen und Senioren ihre Bankgeschäfte erledigen können

Nachdem wiederholt Klagen an den Stadtseniorenrat herangetragen worden waren, hauptsächlich aus dem Seebachgebiet, dass es für Ältere immer schwieriger werde, ihre Bankgeschäfte erledigen zu können, lud der Stadtseniorenrat je einen Vertreter der Volksbank und der Kreissparkasse ein, um mit diesen das Thema zu besprechen. Andrea Gall-Stahl, Teamleiterin der medialen Kundenberatung bei der Kreissparkasse, und Andreas Kälberer, Gebietsfilialleiter in Geislingen bei der Volksbank, standen gerne Rede und Antwort.

Die beiden Bankmitarbeiter wiesen darauf hin, dass sich die Banken keinesfalls aus der Fläche zurückziehen wollten. Aber wirtschaftliche Zwänge und die Tatsache, dass immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte digital mit der App auf dem Handy, dem Tablet oder dem PC erledigen wollten, machten Veränderungen erforderlich. Eine Umfrage unter den Mitgliedern des Stadtseniorenrats ergab, dass auch bei diesen gut die Hälfte ihre Bankgeschäfte bereits auf diesem Weg digital erledigt. Für alle, die kein Handy, keinen Laptop und keinen PC besitzen, wurde das Telefonbanking empfohlen. Dabei erhält der Kunde eine persönliche PIN, durch die sichergestellt ist, dass nur er selbst auf sein Konto und seine Daten zugreifen kann, solange er diese PIN nicht an einen Dritten weitergibt. Andrea-Gall-Stahl dazu: „Telefonbanking stellt eine sehr komfortable aber auch sehr sichere Methode dar, seine Bankgeschäfte durchzuführen“. Erstaunen lösten die vielerlei Aktionen aus, die beim Telefonbanking möglich sind. Von den Experten wurde betont, dass beim Telefonbanking alles möglich ist, was auch bei einer persönlichen Anwesenheit am Schalter gemacht werden kann. Es können also beispielsweise Bankkarten bestellt, Überweisungen in Auftrag gegeben, Lastschriften widersprochen oder Daueraufträge eingerichtet werden. Zum zeitlichen Umfang des Telefonbankings wurde ausgeführt, dass dieses von Montag bis Freitag jeweils von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr genutzt werden könne. In diesem Zeitraum werde man immer mit einem persönlichen Ansprechpartner verbunden. Außerhalb dieses Zeitraums sei auch Telefonbanking möglich, dann werde man jedoch mit einem Sprachcomputer verbunden, dies sei für Ältere vielleicht etwas schwieriger zu handhaben.

Von der Volksbank wurden noch einige Besonderheiten vorgestellt. Die Volksbank bietet zusätzlich noch einen Geld-Bring-Service an. Dabei werden einmal in der Woche, immer mittwochs, Geldbeträge zwischen 100 Euro und 1.000 Euro zu den Kunden gebracht. Hierfür verlangt die Volksbank einen Unkostenbeitrag von 2,50 Euro pro Lieferung. Dies stellt ein sehr interessantes Angebot dar, weil nicht nur an Personen zuhause sondern auch an Personen im Krankenhaus, im Pflegeheim usw. geliefert wird. In Notfällen kann dieses Angebot eine große Hilfe bedeuten.

Andreas Kälberer kam dann auch noch auf die viel diskutierte Schließung der Filiale in der Karlstraße zu sprechen. Neben den wirtschaftlichen Gründen sei ein weiterer Grund für die Aufgabe dieser Filiale gewesen, dass sie nicht barrierefrei zu erreichen gewesen sei. Die Volksbank habe nun eine Servicestelle in den ehemaligen Räumen der Deutschen Bank eingerichtet, die den großen Vorteil habe, dass sie barrierefrei zu erreichen sei.

Von einem Mitglied des Stadtseniorenrats wurde bemängelt, dass es im Nell Mezzo keinen Bankautomaten der Volksbank gibt. Andreas Kälberer räumte ein, dass dies ein Manko sei. Die Volksbank sei auf der Suche nach einer Lösung. Von Mitgliedern des Stadtseniorenrats wurde vorgeschlagen, doch zu ermöglichen, dass die Kunden der Kreissparkasse auch am vorhandenen Automaten der Volksbank Geld abheben können sollten, ohne dafür mit einer extra Gebühr belastet zu werden.

Auch Oberbürgermeister Dehmer, der bei der Mitgliederversammlung anwesend war und ein Grußwort sprach, sagte seine Unterstützung zur Lösung dieses Problems zu.

Die Folgen von Long-Covid

Anschließend referierte Dr. Theodor Dinkelacker, ehemals Chefarzt an der Helfenstein-Klinik und jetzt Vorsitzender des Stadtseniorenrats, unter dem Motto „Haben wir eine neue Volkskrankheit? – Neues zu Long Covid?“ über das völlig neue Krankheitsbild Long-Covid. Er erinnerte daran, dass weltweit 527 Millionen Menschen an Covid erkrankt und 6.289.371 Menschen gestorben sind. In Deutschland sind bisher über 25 Millionen an Covid erkrankt. Von ihnen leiden 10 Prozent an Beschwerden, die länger als 3 Monate anhalten. Und dies kann nicht nur bei schweren sondern auch nach leichten Verläufen passieren. Die Diagnose lautet dann Long Covid- Syndrom oder auch Post Covid-Syndrom. Die Ursachen für diese Erkrankung sind noch nicht erforscht, anerkannte und wirksame Therapiemethoden, die zu einer Heilung führen, sind bislang noch nicht bekannt. Man schätzt, dass bis zu 15 Prozent aller Covid-Patienten eines der Long Covid-Syndrome entwickeln. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer und jüngere Patienten öfter als ältere. Sehr häufige Symptome sind große Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie Riech- und Geschmacksstörungen. Häufig kommen auch Husten, Schlafstörungen, depressive Verstimmung, allgemeine Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Zwangshandlungen, Haarausfall und Stresssymptome vor. Aber eine solche Aufzählung kann in keiner Weise umfassend sein. Die Ärzte kennen über 200 mögliche Long Covid-Symtome. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen von Long Covid bewirken, dass viele Menschen ihren Berufs- und Alltagstätigkeiten nicht mehr nachgehen können. Abschließend führte Dr. Dinkelacker aus, dass 5,7 Prozent aller an Covid Erkrankten langandauernde Symptome entwickeln, auf Deutschland bezogen sind das 1,5 Millionen Menschen.

Dr. Dinkelacker wies aber auch auf die Bedeutung der Impfung gegen Corona hin.  Die Wahrscheinlichkeit an Long Covid zu erkranken, werde durch 3 Impfungen um 70 Prozent reduziert, bei 2 Impfungen immerhin noch um 47 Prozent. Er rate allen, bei denen die dritte Impfung schon länger zurück liegt, nicht auf einen an die neuen Varianten angepassten neuen Impfstoff zu warten, sondern sich mit einem der vorhandenen Impfstoffe ein viertes Mal impfen zu lassen.

Mitgliederversammlung mit Wahlen

Im Anschluss an die Vorträge wurde dann die Mitgliederversammlung des Stadtseniorenrats abgehalten. Dr. Theodor Dinkelacker erinnerte daran, dass im Jahr 2021 wegen Corona keine einzige Veranstaltung habe abgehalten werden können. Umso erfreulicher sei, dass die Mitgliederzahl nicht nur habe gehalten werden können, sondern sogar leicht angestiegen sei. Jetzt, im Jahr 2022, sei der Stadtseniorenrat wieder durchgestartet. Die Filmvorführungen im Rahmen der Kinoreihe 50Plus seien wieder angelaufen und gut besucht gewesen. Eine Theaterfahrt nach Stuttgart habe stattgefunden, bei dieser hätten sogar Eintrittskarten nachbestellt und ein größerer Bus eingesetzt werden müssen. Das E-Bike-Fahrsicherheitstraining sei leider nicht so gut angenommen worden. Wenn man aber verfolge, wie viele schwere Unfälle in letzter Zeit mit Pedelecs passiert seien, sehe man, dass dieses Thema wichtig sei, und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufgegriffen werden sollte. Dr. Dinkelacker wies auf die Veranstaltungen hin, die dieses Jahr noch geplant sind. Er erwähnte die Autorenlesung mit der Schauspielerin und Hospizhelferin Petra Frey im Haus der Zeit am 29. Juni und die Melodie am Nachmittag am 29. Oktober in der Jahnhalle.

Nach dem Bericht des Vorsitzenden, dem Kassenbericht des Kassiers und dem Bericht des Kassenprüfers wurde der Vorstand des Stadtseniorenrats von den Mitgliedern einstimmig entlastet. Ebenfalls einstimmig wurden Andreas Drexler zum neuen Kassier und Günter Söll zum Beisitzer gewählt.